Mirjam Boser focuses on representative art, and is interested in the boundary between representationalism and abstraction. In her more recent groups of works, she therefore concentrates on the artistic construction of space using architectural elements and the simultaneous (spatial) resolution in the image area.

 

Cornelia Dietschi, 

 

Roche Exibithion Basel 2013

 

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Auszüge aus der Vernissagerede, Mittwoch, 20. März 2013, Roche Basel

 

 

Mirjam Boser, geboren 1982, widmet sich der Malerei, unverkennbar der gegenständlichen Malerei. Allerdings, nicht der rein gegenständlichen, auf ihren Gemälden lassen sich stets auch „abstrahierte“, aufgelöste oder leer belassene Partien ausmachen.

 

Der von der Moderne noch sorgfältig gepflegte Gegensatz zwischen Abstraktion und Figuration wird von der Postmoderne seit den 1980er Jahren aufgehoben. Das Feld der malerischen Möglichkeiten öffnete sich in der Folge. Es entstanden sich neu formulierende malerische Positionen des „Dazwischen, des Zweideutigen - Ambigu“.

 

Narrative (figürliche) Bildformen werden durch abstrakte Referenzen aufgeladen.

 

Das 2011 entstandene Werk „Das Zelt“, weist mehrere, differenzierte Bildzonen und Bildsprachen auf. Achten Sie beispielsweise auf die Ecke rechts oben. Da finden sich, kühl betrachtet, Farbstreifen in unterschiedlichen Brauntönen. Weniger kühl betrachtet, nämlich in einer sinnstiftenden Referenz gelesen, sehen wir einen „Wald“, respektive  ein paar Baumstämme, die sich zu Gehölz verdichten.

 

Mirjam Boser serviert unserem Wahrnehmungsapparat mit höchster Raffinesse weitere Delikatessen. So bildet sie neben den Baumstämmen ein Tier ab, welches einem Hirsch ähnelt, sich bei genauerem Hinsehen jedoch als Wappenschild oder Jagdtrophäe entpuppt. Diese Übersetzung in eine verschlüsselte Bildlichkeit, irritiert und regt an, lädt das Bildgeschehen produktiv auf.

 

Mirjam Boser gehört zu denjenigen Kunstschaffenden, die anhand des klassischen Mediums der Malerei, durchaus zeitgemäße Beiträge zum aktuellen Kunstdiskurs beizusteuern vermögen.

 

Bei den in diesem Raum ausgestellten Werken „Das Bad“ und der „Hochrhein“ handelt es sich um Zusammenarbeiten mit der Künstler-Kollegin Simone Wyss. Kollaborationen, eine Praktik, die von der jungen Künstlergilde ausgiebig praktiziert wird.

 

Erstaunen erwecken diese Bilder, weil sich kaum allfällige Brüche der zwei unterschiedlichen Sprachen ausmachen lassen. Äußerst einfühlsam und unter großem gegenseitigem Respekt haben es die beiden verstanden, die zwei individuellen Bildsprachen zu einem kohärenten Text zusammen zu führen.

 

Es ist ein beglückender Augenschmaus, dem wir uns in den leichtfüßigen Bildtraumwelten hingeben dürfen!

 

Einige Kunstschaffende reagieren auf die immensen digitalen Bildmöglichkeiten, Bildspeichermöglichkeiten und Bildmanipulationsmöglichkeiten mit der Strategie der seriellen Relativierung oder Multiplikation von leicht divergierenden Unikaten.

 

Mirjam Boser hingegen arbeitet konzentriert auf solitäre Unikate hin. Sie vollzieht die Reaktion auf das digitale Zeitalter innerhalb einer Bildtafel und antwortet im klassisch analogen Medium der Malerei mit der Strategie des Wechselspiels.

 

Bei allen malenden Kunstschaffenden stehen zu Beginn der Arbeit elementare Überlegungen zum Bild an sich. Wie vollziehe ich die Bildgewinnung? Wie gelange ich zu einem gültigen Bild? Was wird sichtbar gemacht, was verdeckt?

 

Mirjam Boser ist eine Farbmalerin. Sie praktiziert einen subtilen Umgang mit der Farbe und sagt über ihre Arbeit: „Das Wechselspiel von Abdecken und Sichtbarmachen durch das Material der Farbe spielt eine wichtige Rolle in meinen Arbeiten.“

Das Wechselspiel von Raumaufbau und Auflösung der Räumlichkeit in der Fläche ist ein weiteres Charakteristikum. Exemplarisch sehen wir das beim Bild „James“. Ein kauernder Mann, in einer nach Außen durchlässigen Behausung, der in aller Ruhe an etwas Undefinierbarem werkelt. Die Figuren weisen seit 2011 keine individualisierten Gesichtszüge mehr auf, sind in neueren Arbeiten wie „Shell“ oder „Die Kreuzfahrt“ sogar ganz entschwunden.

Insbesondere die Bilder „James“ und „Das Zelt“ werden zu Metaphern des zeitgenössischen Menschen.

© Cornelia Dietschi, März 2013